Für
die meisten Leute ist Dr. Benveniste
für seine berühmte oder verpönte Forschung
über das sogenannte Gedächnis des Wassers bekannt.
Nur wenige, auch in den biologischen Wissenschaften, kennen seine
ersten Errungenschaften im Gebiet der Allergien und
Entzündungen.
Dr.
Jacques Benveniste war in der Tat Entdecker des PAF (Platelet
Activating Factor). Ursprünglich hatte er selber diese
Verbindung so genannt; später bezeichnete er sie als
„PAF-acether“, was dann weitgehend in den
europäischen wissenschaftlichen
Veröffentlichungen verwendet wurde.
Im Gegensatz dazu ziehen es die amerikanischen Wissenschaftler vor, die
ursprüngliche Bezeichnung zu benutzen. Der PAF ist der erste,
und bis heute der einzige normale Phospholipidvermittler mit
entzündungsfördenden Effekten. Die hohe Wirksamkeit
dieser Substanz ermöglicht es, mit weniger als 2 Mikrogramm
(ca. 1 Millionstel Gramm) pro Kilogramm
Körpergewicht bei Ratten, Mäusen oder Kaninchen den
Stillstand der Blutzirkulation zu induzieren (Kreislaufschock).
Zum ersten Mal hörte ich von dieser mächtigen
Substanz an einem wissenschaftlichen Kongress sprechen, als ich meine
post-doktorale Ausbildung abgeschlossen hatte und mein eigenes Labor
eingerichtet war. Meine letzte Ausbildungsphase befasste sich mit
Prostaglandinen und mit dem Thromboxan, damals Vermittler der Lipide.
Diese neu entdeckte Substanz (PAF) war derart wirksam, dass sie den
Thromboxan – ein sehr starker Faktor der
Blutplätchen-Agglomeration – wie ein blosses
„Abwaschwasser“ erscheinen liess, wie
früher mein ehemaliger Mentor Dr. Needleman zum
Scherz sagte.
Um meine Forschungen weiterzuführen zögerte ich also
nicht, den PAF zu wählen, und meine ganze Laufbahn wurde
während über 20 Jahren ununterbrochen durch den NIH
unterstützt. Es ist schade, dass Dr. Jacques Benveniste an
einem bestimmten Punkt seiner Karriere die PAF-Forschung verliess, um
sich weniger konventionellen Themen zu widmen. Ich bin nämlich
davon überzeugt, dass es eine ganze Familie von
Phospholipid-Vermittler mit wichtigen pathophysiologischen Funktionen
gibt, die darauf warteten, entdeckt zu werden. Mit der Zeit kann diese
Familie so gross und bedeutend werden wie diejenige des Eicosanoids
(deren Studie mit dem Nobelpreis 1982 prämiert wurde). Leider
verlangsamte sich die Forschung in diesem Bereich, nachdem Jacques
Benveniste, der Initiator, diesen Weg verlassen hatte.
Zum ersten Mal bin ich dem Dr. Benveniste an einem internationalen
Kongress über den PAF in Hilton Head (U.S.A) begegnet. Damals
befand er sich am Höhepunkt seiner Berühmtheit in
wissenschaftlichen Kreisen. Seine Artikel wurden in den bekanntesten
wissenschaftlichen Zeitschriften wie „Nature“ oder
„Journal of Immunology“ publiziert. Er war
anerkannt als der Entdecker eines neuen wichtigen Vermittlers von
Lipiden. Zu diesem Kongress hat er alle Kollegen mit seinem Erfolg,
seiner Helligkeit und seinem gewagten intellektuellen Geist
beeindruckt.
Er war im Zentrum der Aufmerksamkeit, von den Alten respektiert und von
den Jungen bewundert, und alles, was er sagte, war Grund zum
Nachdenken. Alle – die Studenten, die
„Post-docs“ und die jungen Wissenschaftler
– warteten auf die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, in der
Hoffnung, von seiner Weisheit zu lernen.
Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich am Anfang meiner Karriere als
Forscher und hatte gerade ein RO1- Stipendium des NIH erhalten, ein
Stipendium für selbständige Forscher. Obschon ich in
einer wohlbekannten medizinischen Schule arbeitete, die Northwestern
University, lag mein Labor am Kinderspital, isoliert und 3 km vom
Hauptcampus entfernt. Dies war noch bevor das Children’s
Memorial Hospital sein eigenes Forschungsinstitut aufbaute und ich
arbeitete mehr oder weniger alleine. Sie können sich
vorstellen, wie wichtig es für mich war, von anerkannten
Forschern Ratschläge zu bekommen.
Dr. Jacques Benveniste war freundlich und grosszügig und
sparte nie mit wertvollen Empfehlungen und Hinweise für meine
Forschung. Bald entstand eine regelmässige – zwar
nicht sehr häufige – Korrespondenz. Ein paar Jahr
später, 1987, bei einem internationalen Treffen in Taipei
erwähnte mir Jacques zum ersten mal seine originale
Untersuchung über hohe Verdünnungen und die
Basophilen. Er sagte mir, dass sein Artikel bald bei der
berühmten Zeitschrift „Nature“ akzeptiert
würde. Noch jung und naiv, war meine Freude bei guten
Nachrichten echt und aufrichtig. In der Tat wer hätte nicht
gedacht, dass eine solche Forschung Jacques Anerkennung und
Erfolg bringen würde, sogar vielleicht den Nobelpreis. Sie
wissen was dann geschah: das Undenkbare und das Unerwartete.
Die Benveniste-Affäre, die schändliche Durchsuchung
der Zeitschrift „Nature“, geleitet durch ihren
Chef-Redaktor mit der Hilfe eines professionellen
„Hexenjägers“ des NIH und eines Zauberers
(ja, Sie haben richtig gelesen: eines Zauberers!). Es war ein Desaster
nach dem anderen. Die Dinge bekamen eine schlechte Wendung.
Allmählich wurde ihm alles gestrichen: sein Budget, sein
Personal und schliesslich sein Labor. Ich verstehe bis heute nicht,
wieso die französiche und die internationale wissenschaftliche
Gemeinschaft verschlossen blieb gegenüber den auschliessenden
Experimenten, welche die ersten, durch Nature publizierten Resultate
bestätigten. Diese nachträgliche Studie wurde in
Zusammenarbeit mit Dr.Spira durchgeführt, ein in Frankreich
anerkannter Statistiker, und die Daten wurden durch eine einwandfreie
statistische Analyse bearbeitet.
Als ich Jacques einige Jahre später wieder bei einer
Versammlung traf, dachte ich, er wäre niedergeschlagen und
deprimiert. Ich war überzeugt, dass er auf seine wenig
orthodoxe Forschung verzichten würde, um zu seiner
anfänglichen Laufbahn wiederzukommen. Es war ganz im
Gegenteil. Jacques war lebhaft und meldete mir, dass er ein neues
Forschungsprojekt gestartet hatte, indem er elektronisch
übermittelte Signale verwendete, um die menschlichen
Neutrophilen anzuregen. Er bat mich, einige Experimente mit
Ratten-Neutrophilen zu wiederholen. Dies wurde unsere erste
Zusammenarbeit und Jacques schloss dann die Studie trotzdem mit Dr.
Yolène Thomas ab, eine Biologin und in Frankreich anerkannte
Immunologin. Der Artikel wurde später veröffentlicht.
Jacques’ nächste Etappe war weit mutiger und
revolutionärer. Er wollte die biologischen Signale
elektronisch mit Hilfe eines Computers übermitteln. Im
verwendeten Versuchsaufbau war ein In-Vivo-System, ein isoliertes und
infundiertes Meerschweinchen-Herz. Dies ist ein System, welches
generell von den Pharmakologen als „Langendorffische
Präparation“ verwendet wird. Eine Dosierung des
Dilatations- oder des zusammenziehenden Effektes gewisser Substanzen
kann erreicht werden, indem sie in die Herzkranzarterie des isolierten
und eingetauchten Herzens eingespritzt werden, mit anschliessen der
Messung des Koronarausflusses. Eine klassiche dilatatorische
Versuchssubtanz ist das Azetylcholin, der physiologische Vermittler des
parasympathischen Systems. In diesem Experiment hat Jacques das Signal
des Acetylcholins aufgenommen mit Hilfe eines Empfängers und
eines Computers mit Tonkarte. Das Signal wurde verstärkt und
auf das Wasser übertragen. Er injizierte dann das
signaltragende Wasser in das isolierte Herz und stellte fest, dass der
Koronarfluss erhöht wurde. Dieser Versuchsaufbau gleicht dem
In-Vivo-System und müsste der wahren physiologischen Situation
angemessener sein.

Später führte er ähnliche Experimente durch,
mit Hilfe eines Ovalbumin-immunisierten Herzens, das durch numerisches
Ovalbumin stimuliert wurde. Nach dem anfänglichen Erfolg
seiner Versuche fragte er mich, ob ich bereit wäre, die
Signale in Chicago aufzunehmen und sie seinem Labor zu senden. Er
schickte mir die Anleitungen, und ich nahm Ach, OVULA und Wasser auf,
die ich wieder mit Disketten oder durch E-mail als Anhang
zurücksendete.
Da seine Experimentierungen und seine Theorie zu phantastisch
waren, beschloss Jacques, dass der einzige Weg, die anderen zu
überzeugen im Blindversuch lag. Zu diesem Zweck bat er mich,
weiter mitzumachen. Diesmal war es für mich kein Spiel mehr.
Zuerst nahm er mit seimem Computer die Signale verschiedener Substanzen
auf, dann schickte er mir diese Daten. Die Daten waren mit 1
„Wasser“, 2 „Ach“, 3
“OVULA“, etc. markiert. Ich kodierte sie im
Blindverfahren als # 1, # 2, # 3 etc., und schickte sie ihm mit E-mail
zurück. Er untersuchte sie dann am isolierten Herz und
schickte mir sein Resultat, wie # 1: Wasser, # 2: ACh, # 3: OVULA; usw.
Ich muss gestehen, dass ich am Anfang etwas skeptisch war. Zu meiner
Überraschung waren aber seine Antworten in den meisten
Fällen korrekt. Wenn Sie das Resultat statistisch bearbeiten,
ist die Zufallswahrscheinlichkeit sehr tief. Diese besondere Entdeckung
kann dem Neugierigen etwas banal erscheinen; wenn Sie sich das Ganze
jedoch genauer überlegen, so werden Sie feststellen, dass ihre
potentielle Auswirkung gewaltig ist.
Ich bin ein M.D. (Ärztin), also konzentrieren wir uns auf die
potenziellen medizinischen Anwendungen. Wie Sie wissen, haben die
meisten Medikamente bestimmte assoziierte Giftigkeiten, auch im Fall
der meist verwendeten, wie das Aspirin. Eine numerisch
übermittelte Medizin kann alle ihre Vorteile behalten, jedoch
wenige, gewöhnlich nicht klar definierte Nebenwirkungen mit
sich bringen. Die Ärzte könnten dem Patienten ein
Medikament verschreiben und es mit Hilfe eines Computers oder eines
Telephons verabreichen. Grundsätzlich hat diese
Entdeckung unsere traditionelle Vorstellung der Biologie
verändert. Die klassische Biologie besagt, dass alle
biologischen Vorgänge die Verbindung des
spezifischen Rezeptors mit seinem Antagonisten verlangen (dem
Schlüssel-Schloss-Mechanismus vergleichbar), was Wege der
„Signaltransduktion“ auslöst. Jacques
Benveniste ist der Meinung, dass eine solche Interaktion nicht nur
unökonomisch ist, weil viele Versuche und Irrtümer
verlangend, sondern auch unnötig. Er nimmt an, dass molekulare
Signale elektromagnetisch abgegeben werden, mittels
Niedrigfrequenzwellen, welche mit dem Rezeptor wie mit einem
Radiogerät in Resonanz treten. Das Wassermedium ist
für die Vermittlung solcher Wellen ideal. Diese Hypothese mag
sonderbar erscheinen, nach Überlegung birgt sie jedoch eine
bestimmte Angemessenheit.
Lassen Sie mich noch einmal ein klinisches Beispiel geben. Wir wissen
alle, daß allergische Menschen eine rasche Antwort auf ein
Allergen entwickeln können, sogar in Form eines
lebensgefährdenden anaphylaktischen Schocks – im
Zeitraum von Minuten oder Sekunden – wenn einer
präzisen Menge Allergen exponiert. Eine erwachsene Person
wiegt im Mittel ca. 60-80 Kilogramm (mehr in den Vereinigten Staaten),
und die Menge Allergen, die aufgenommen wurde oder welcher die Person
exponiert wird, kann im Bereich des Millionstel Gramm liegen oder sogar
tiefer. Nun werden Sie sich fragen, wie eine solch winzige
Substanzmenge in der Lage ist, Gewebeschichten zu durchdringen (der
Haut oder des Darms), in 5 Liter stark verdünntes Blut zu
gelangen, mit den Antikörpern zu reagieren, die
Blutgefässe zu verlassen und in den Geweben Mastozyten zu
finden, um schliesslich ihren Rezeptor auf der Oberfläche der
Zellen zu finden und Histamine und andere Vermittlersubstanzen zu
binden oder zu lösen, das Ganze in einigen Minuten oder
Sekunden nach der Exposition.
Sie werden sich fragen, wie all diese Phänomene mit den
klassischen Konzepten der Biologie als plausibel betrachtet werden
können. Wenn Sie hingegen Jacques’ Theorie anwenden,
dann lässt sich die Geschwindigkeit der Antwort und die extrem
tiefe Konzentration des Reizes verstehen.
Es ist von höchster Ironie, dass eine solch originelle und
vernünftige Hypothese eher ausserhalb der wissenschaftlichen
Kreise ein Echo gefunden hat. Ich kann mir es dadurch
erklären, dass der Ausdruck „Gedächtnis des
Wassers“ eine beruhigende und poetische Tonalität
besitzt. Ich habe tatsächlich ein Theaterstück in
Chicago gesehen, von einem britischen Dramaturgen geschrieben, welches
„Das Gedächtnis des Wassers“ hiess (ohne
jedoch mit den Theorien von Jacques und der Wissenschaft zu tun zu
haben). Auf der anderen Seite hat die wissenschaftliche Gemeinschaft
diese Hypothese fast einstimmig ignoriert. Weshalb? Es gibt, glaube
ich, mehrere Gründe dazu. Der erste hängt mit der
Tatsache zusammen, dass die Biologie und die westliche Medizin nach der
Renaissance auf der Anatomie und Alchemie basierten.
Die Anatomie entwickelte sich weiter in Histologie, Ultrastruktur und
nun in Molekularbiologie, was nichts anderes ist als Anatomie der Gene.
Die Alchemie wandelte sich um zur Chemie. Somit sind fast alle unsere
westlichen Medizinkenntnisse aus der Anatomie und der Chemie stammend.
Das Wissen um die Biophysik, mit Ausnahme einiger Publikationen
über die elektrischen Impulse in der Neurophysiologie, ist
bedauerlich ungenügend.
Ein berühmter klassische chinesischer Essai, „Traum
eines roten Zimmers“, behauptet, dass die Frauen aus Wasser
gemacht sind, und die Männer aus Schlamm. Die Wahrheit ist,
dass alle Menschen, ja alle Lebewesen des Tierreichs aus Wasser
bestehen.
Der Hauptteil unseres Wesens ist das Wasser. Die traurige Wahrheit ist,
dass wir dieses Molekül – die Essenz des Lebens
– wenig kennen. Vielleicht gibt es heute Physiker unter
Ihnen. Ich frage mich, ob sogar die Physiker eine klare und
vollständige Idee seines Mysteriums besitzen. Wir haben keine
Ahnung des Zustandes des Wassers im Körper und wie es sich
unter verschiedenen pathophysiologischen Bedingungen verhält.
Wie wir es wissen, erklären die Anatomie und die Chemie nicht
alles in der Biologie. Während meinem Medizinstudium galt die
Akupunktur als „Waudou“ Heilkunde, bespottet durch
unsere Professoren und durch die Mitglieder der medizinischen
Gesellschaften. Wieso? Weil sie keine anatomische oder biochemische
Basis besitzt. Ich war immer etwas verwirrt durch die Feststellung ,
dass es manchen Personen nach einer Akupunkturbehandlung besser ging.
Man sagte uns, dass es ein Placebo-Effekt sei; wir wissen jedoch, dass
der Placebo in den medizinischen Untersuchungen nicht alles
erklärt hat.
Jetzt ist die Akupunktur in allen ärztlichen Gemeinschaften
akzeptiert, sogar in den Vereinigten Staaten. Wir kennen sogar die
Akupunkturpunkte der Ratten (bei deren Stimulierung kann die
physiologische Antwort objektiv registriert werden), wir kennen aber
die anatomische Lokalisation nicht, und wir besitzen immer noch keine
wissenschaftliche und klare Erklärung für das
Prinzip. Ein anderer Grund für das Verwerfen einer
unorthodoxen Theorie durch die wissenschaftliche Gemeinschaft liegt im
aktuell geltenden System und Umfeld.
In den Vereinigten Staaten werden die Wissenschaftler sehr
früh dazu ermuntert, ein bestimmtes Thema zu vertiefen statt
das Forschungsfeld zu erweitern. Ich war Mitglied der Studiensektion
der NIH während 5 Jahren. Dadurch habe ich gesehen, wie manche
Stipendienanträge für glänzende und
originelle Ideen abgelehnt werden, weil sie nicht in der Norm lagen.
Erst wenn das Stipendium überprüft und auf ein
spezifisches Detailaspekt neuorientiert war, wurde es genehmigt. Diese
Methode hat ihre Stärken und ihre Schwächen. Das
Positive ist, dass sie Super-Spezialisten ausbildet. Der Schwachpunkt
liegt im Risiko, Wissenschaftler mit einer engen Sichtweise
heranzuziehen.
Das andere Problem liegt im Prüfsystem durch Fachexperten zur
Evaluation von Publikationen und Subventionen. Dies ist vermutlich das
bisher gerechteste System, es ist jedoch sicher nicht ideal. Wenn die
Prüfung durch dieselben Wissenschaftler mit enger Einstellung
stattfindet, wie können dann revolutionäre Ideen zum
Durchbruch kommen? Zudem, da diese Experten ebenfalls über die
Zukunft junger Wissenschaftler entscheiden (mittels zugelassener
Artikel und Subventionen), befürchten sie ihre eigenen
Karrieren zu gefährden, wenn sie eine heretische Theorie offen
unterstützen würden.
Dies ist der Grund, weshalb ich Jacques Benveniste besonders bewundere.
Er hat einen starken Charakter und einen eisernen Willen gehabt. Er
betrachtete die allgemein akzeptierten Meinungen mit Verachtung und er
fuhr fort in seinen Bemühungen, trotz allen Schwierigkeiten
und Hindernissen.
Eines Tages fragte er mich, was ich von dieser scheinbar
verrückten Beharrlichkeit halte. Ich antwortete ihm scherzend,
dass es ausgezeichnet ist, Prophet zu sein, dass mutig und heldenhaft
ist, für die Forschung zu kämpfen, dass aber das
Risiko besteht, eines Tages lebend auf dem öffentlichen Platz
verbrannt zu werden. Er antwortete mir: „Ich habe eine sehr
anspruchsvolle Maîtresse und bin durch sie besessen. Mein
ganzes Wesen ist durch ihr Bild ganz erfüllt, durch ihr
Profil, ihr verführerisches und zugleich ausweichendes
Gesicht, durch das abwechselnde Lächeln dieser Frau deren Name
heisst: Die Wissenschaft. Ich kann nicht umhin zu tun, was ich
tue.“ Dies ist die Antwort eines wahren Wissenschaftlers.
Menschen treten in die Wissenschaft wegen unterschiedlichen
Gründen: Ruf, Reichtum, Macht, Arbeitssicherheit, Flucht, oder
einfach zur Beförderung im universitären Milieu; die
wahren Wissenschaftler aber sind motiviert durch eine echte
Leidenschaft für die Wissenschaft. Diese sind die wahren
Idealisten.
Es wurde schon zuviel gesagt über den „Fall
Benveniste“ und über das
„Gedächtnis des Wassers“, so werde ich
nicht viel Zeit brauchen, um es hier zu wiederholen.
Was ich nur sagen möchte ist, das Jacques’ Idee zur
elektromagnetischen Übertragung der molekularen Signale nicht
nur originell ist, sondern auch von kolossaler Bedeutung. Die Biologie
konzentrierte sich während Jahrhunderten auf strukturelle und
chemische Aspekte, und es fehlen kläglich Studien
über die physiologische Signalisierung.
Wir brauchten einen echten Visionär wie Jacques, um es zu
merken, und es war für mich eine Ehre, in irgend einer Form
wenn auch peripherisch, an seinen Forschungsbemühungen in
diesem Feld beteiligt zu sein. Bestätigt oder nicht, seine
Theorie soll die Phantasie der wissenschaftlichen Welt im kommenden
Jahrhundert wecken. Wenn sie aber ihre Demonstration findet, dann
könnte sie eine der grössten Entdeckungen der
Biowissenschaften der letzten Jahre sein.